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Daten und Fakten zur Planung

In Duisburg-Hohenbudberg wird eine Spezialklinik für die Behandlung von 90 suchtkranken Rechtsbrechern entstehen. Die Maßregel wird nach § 64 Strafgesetzbuch durch ein Gericht angeordnet. Die in Duisburg vorgehaltenen Plätze werden ausschließlich mit drogenabhängigen Männern belegt. Die durchschnittliche Behandlungsdauer wird etwa 1 1/2 Jahre betragen.

Die jetzt genehmigte und hier vorgestellte Planung ist das Ergebnis eines intensiven dreijährigen Prozesses, in dem Bauherr (der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug), Architekten (Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Duisburg) und die künftigen Betreiber (v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, Ev. Johanneswerk e. V.) sehr unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden mussten.

Sicherheit
Ein ausgefeiltes Konzept, das sich in den baulichen und technischen Standards eng an den Strafvollzug anlehnt, wird die Sicherheit der Bevölkerung, der Mitarbeitenden der Klinik, aber auch der Mitpatienten gewährleisten. So ist das gesamte Klinikgelände von einer 5,50 m hohen Hauptsicherungsanlage umgeben. Diese Zaunanlage wird elektronisch überwacht und verhindert ein Entweichen vom Klinikgelände. Der einzige Zugang zum Klinikgelände liegt im Pfortengebäude (Haus 1), in dem rund um die Uhr Sicherheitspersonal präsent sein wird. Zusätzlich wird das gesamte Klinikareal mit Videokameras überwacht. Technische und bauliche Maßnahmen in den Stations- und den übrigen Klinikgebäuden sorgen dafür, dass Gebäudebereiche nicht unerlaubt betreten oder verlassen werden können.

Haeuser02
Pforte02

Therapie und Wohnen

Die Klinik verfügt über fünf Stationen mit je 18 Plätzen. Sie verteilen sich auf die Häuser 2, 3 und 7. In den Stationen befinden sich die Patientenzimmer, Gemeinschaftsräume, ein Teil der Therapieräume sowie Arbeitsräume für das pflegerische und das therapeutische Personal. In den Häusern 4 und 6 sind die Funktionsräume für Arbeits- und Kreativtherapie, für Unterricht, Sport, Seelsorge sowie der Freizeitbereich. Haus 5 ist die Sporthalle.

Haus 1 – Pfortengebäude

Das zentrale Gebäude für die Klinik ist die Pforte. Der Zugang zur Klinik ist nur über das Pfortengebäude möglich. Dort werden sowohl sämtliche Waren als auch alle Personen überprüft, die auf das Klinikgelände gelangen oder dieses wieder verlassen. Die Waren werden im Pfortengebäude auf klinikeigene Transportmittel umgeladen. Fremdfahrzeuge dürfen nicht auf das Gelände. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Besucherinnen und Besucher der Klinik benutzen getrennte Zugänge. Letztere müssen sich einer eingehenden Überprüfung unterziehen. Dazu gehört unter anderem die Kontrolle mit einem Metalldetektor, wie er auf Flughäfen eingesetzt wird.
 

Pfortenbereich mit Einfahrt

Haus 2 – besonders gesicherter Trakt

In Haus 2 wird sich eine Station mit nochmals erhöhtem Sicherheitsstandard befinden. Hier werden auf getrennten Fluren zwei Patientengruppen untergebracht, die besondere Sicherheitsvorkehrungen erforderlich machen: Zum einen neu aufgenommene Patienten, deren Gefährlichkeit das Klinikpersonal noch nicht exakt einschätzen kann, zum anderen Personen, deren Therapie wegen mangelnder Erfolgsaussicht nicht fortgesetzt wird. Sie müssen deshalb in den Strafvollzug zurückverlegt werden. Weil mit dem Therapieabbruch ein Motivationsverlust verbunden ist, werden sie bis zur Rückverlegung auf der besonders gesicherten Station überwacht. Sie verfügt über einen eigenen, zusätzlich eingezäunten Innenhof und über eigene Therapieräume, damit die Patienten die Station möglichst selten verlassen müssen.

Im Haus 2 befinden sich auch die Dienstzimmer der Therapeuten und Ärzte sowie die Verwaltung. Hier gibt es außerdem Behandlungsräume für externe Fachärzte, zum Beispiel für den Zahnarzt, die die Patienten in der Klinik behandeln können. Damit werden häufige Transporte vermieden, die Personal binden und mit einem erhöhten Sicherheitsrisiko verbunden sind. In Haus 2 gibt es auch mehrere Räume für das so genannte Drogen-Screening. Denn die Patienten werden mittels Urin-, Blut- oder Haartests auf unerlaubten Drogenbesitz beziehungsweise Drogeneinnahmen untersucht.

Haus 3 – Regelbehandlung

Für die Regelbehandlung stehen drei Stationen zur Verfügung, in denen die Patienten wohnen und auch therapiert werden. Auf jeder Station gibt es zwei Gemeinschaftsräume mit Küchenzeile, wo das Essen gemeinsam zubereitet und eingenommen wird. In Abhängigkeit zum Therapiefortschritt erfahren die Patienten der Regelbehandlung unterschiedliche Lockerungsstufen. Trotzdem verfügt jede Station über einen besonders gesicherten Raum für Personen, die in Krisensituationen sich selbst oder andere gefährden.

Haus 4 – Arbeitstherapie

Haus 4 beherbergt die Abteilungen der Arbeitstherapie. Neben industriellen Auftragsarbeiten werden hier vor allem auch Holz- oder Metallarbeiten trainiert und ausgeführt. Ziel ist es, die vorhandenen Fähigkeiten der Patienten zu entdecken und zu fördern, neue Fähigkeiten zu entwickeln und die Patienten mit den Anforderungen des Arbeitsalltages vertraut zu machen. Für die Mehrzahl der Patienten sind das völlig neue Anforderungen, weil sie schon als Kinder oder Jugendliche in den Kreislauf von Drogenmissbrauch und Kriminalität geraten sind.

Haus 5 – Sporthalle

Die Sporthalle liegt unmittelbar neben dem Sportplatz auf dem Klinikareal. Hier werden die unterschiedlichste Sportarten angeboten vor allem aber Mannschaftssportarten. Denn sie dienen dem Aufbau sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Konfliktbewältigung und Fairness. Sport und Bewegung können aber auch ein Ventil sein, um im Klinikalltag aufgestaute Gefühle wie Aggressivität oder Ärger konstruktiv auszuleben. Die Sporthalle kann auch für Theateraufführungen, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt werden.

Haus 6 – Schule und Freizeitbereich

Viele drogenabhängige Forensik-Patienten haben keinen Schulabschluss. Während des Klinikaufenthaltes erhalten sie die Chance, diesen nachzuholen. Damit wird eine wichtige Voraussetzung für die spätere Berufsausbildung und die soziale Wiedereingliederung geschaffen. Neben den Unterrichtsräumen stehen den Patienten in Haus 6 auch Räume für Freizeitaktivitäten und eine Cafeteria zu Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderer Raum für die Anagebote des Klinik-Seelsorgers. Hier finden auch die Gottesdienste statt.

Haus 7 – Reha-Station

Im Haus 7 wohnen die Personen, die sich in der letzten Phase des stationären Maßregelvollzugs befinden und sich gezielt auf das Leben außerhalb der Klinik vorbereiten. Sie leben in zwei Apartments und vier Wohngruppen mit je vier Einzelzimmern. Ihren Alltag gestalten sie unter Anleitung weitgehend selbstständig – einschließlich waschen, kochen und putzen. Die Patienten erfahren Lockerungen, die aber genau festgelegt und ständig überprüft werden. Dazu zählt auch die Teilnahme an beruflichen Fördermaßnahmen und betrieblichen Ausbildungen außerhalb der Klinik.

Mit dem hier vorgestellten Entwurf wird die Klinik den hohen Sicherheitsanforderungen in vollem Umfang gerecht. Zugleich aber werden die räumlichen Bedingungen für die Gestaltung eines therapeutischen Milieus geschaffen. Denn letztlich entsteht Sicherheit vor allem durch erfolgreiche Therapie. Sie schafft Sicherheit auf lange Sicht und ist damit der entscheidende Beitrag des Maßregelvollzugs zu Gewaltprävention und Opferschutz.