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Transparenz schafft Vertrauen
Mitglieder des Planungs-Beirats reisten zum Erfahrungsaustausch nach Marsberg
Welche Beziehungen bestehen zwischen einer Maßregelvollzugseinrichtung und ihrem sozialen Umfeld? Wie lebt eine Stadt oder ein Stadtteil damit, dass sie oder er Standort einer solchen Einrichtung ist? Welche Berührungspunkte gibt es? Welche Probleme und Schwierigkeiten gilt es zu überwinden? Welche Chancen eröffnen sich?
Mitglieder des Planungs-Beirats der Forensik-Klinik Duisburg-Hohenbudberg wollten es genau wissen und fuhren nach Marsberg. Der Vorsitzende des Planungs-Beirats, Pfarrer Werner Kretschmann, sowie Gabriele Holzwarth, Wilfried Giese und Michael A. Maeßen - allesamt Bewohner der Eisenbahnsiedlung - trafen sich dort mit der Vorsitzenden des Beirats des Westfälischen Therapiezentrums Marsberg "Bilstein", Isolde Jaspert, und dem Bürgermeister der Stadt Marsberg, Reinhard Schandella. In einem offenen Gespräch, ohne Beisein von Vertretern der beiden zukünftigen Träger der Duisburger Klinik, tauschten sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen und Ängste aus. Dabei wurde deutlich, wie wichtig ein gutnachbarliches Verhältnis zwischen Klinik und Umgebung ist. Psychiatrische Einrichtungen haben in Marsberg eine lange Tradition. Die Anfänge reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Auch das Westfälische Therapiezentrum Marsberg "Bilstein" hat bereits ein Stück Geschichte hinter sich. Genau 20 Jahre besteht es. Zum runden Geburtstag sind umfangreiche bauliche Erweiterungen und Modernisierungen zum Abschluss gebracht worden. Der architektonisch gelungene Erweiterungsbau, dessen Realisierung von der ersten Planung bis zur Fertigstellung etwa vier Jahre dauerte, hat 32 neue Therapieplätze geschaffen. Sie verteilen sich auf 4 Stationen. 38 neue Arbeitsplätze - überwiegend im Pflegebereich - sind dadurch entstanden.
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Insgesamt verfügt das Therapiezentrum jetzt über 101 Plätze, davon 68 gesicherte. Zum Vergleich: In Duisburg-Hohenbudberg werden es 90 sein. Zielgruppe beider Kliniken sind suchtkranke Patienten gemäß Paragraph 64 Strafgesetzbuch. Dieser Paragraph regelt die Unterbringung von straffällig gewordenen Suchtkranken, also Alkohol- und Drogenabhängigen. Marsberg und Duisburg konzentrieren sich auf drogenabhängige Patienten. Es gibt also viele Parallelen.
Das 20-jährige Bestehen des Therapiezentrums wurde im August groß und unter reger Beteiligung der umliegenden Bevölkerung "gefeiert". Dies wertete Pfarrer Werner Kretschmann in dem Gespräch als Indiz für intakte Verhältnisse in Marsberg. "Wo gefeiert wird, kann es so schlecht nicht sein", stellte er fest.
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Der Bürgermeister und die Beirats-Vorsitzende bestätigten dies. "Wir haben traditionell gute Kontakte, gerade beim Erweiterungsbau hat es wieder eine sehr enge und konstruktive Zusammenarbeit gegeben", erläuterte Reinhard Schandella den Gästen. Als wesentlichen Grund für das gute Miteinander nannte er die Tatsache, dass es seit Jahren keine gravierenden Vorfälle gegeben hat. In Marsberg gehe man inzwischen sachlich mit dem Thema um. Das treffe auch auf die örtlichen Medien zu. Nur in der Anfangszeit habe es Versuche gegeben, das Thema "emotional aufzuputschen". Das habe sich dann aber zum Glück gelegt.
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Isolde Jaspert lobte die große Transparenz - aus ihrer Sicht nicht zuletzt ein Verdienst von Dr. Bernhard Wittmann, dem Leitenden Arzt des Westfälischen Therapiezentrums, der ja auch das Projekt in Duisburg-Hohenbudberg fachlich begleitet. Diese Transparenz wird in Marsberg dadurch gefördert, dass "Bilstein" und die anderen am Ort ansässigen Einrichtungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wichtige wirtschaftliche Funktionen erfüllen. Jaspert: "Das wird hier auch als Arbeitsplatz wahrgenommen. Da fällt es den Leuten natürlich leichter, damit umzugehen."
Nach Einschätzung der vier Planungs-Beiratsmitglieder aus Duisburg ist die Berichterstattung in den Medien über Forensik bedauerlicherweise tendenziös. "Da fließt oft keine sachliche Information", so der Eindruck von Pfarrer Kretschmann. Gabriele Holzwarth äußerte aufgrund der geschilderten Erfahrungen in Marsberg die Hoffnung, dass die spätere Praxis zu einem Abbau der Vorbehalte beitragen wird.
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"Wenn die Klinik erst mal da ist, und die Ansätze sind positiv, dann wird es auch keine Probleme mehr geben." Unter diesem Gesichtspunkt ist aus Sicht von Michael A. Maeßen eine schnelle Realisierung des Projekts wichtig. Verzögerungen würden Hoffnungen bei den Gegnern wecken und sie in ihrem Widerstand beflügeln. Wilfried Giese strich den Arbeitsplatzeffekt heraus, auch wenn er natürlich nicht die Dimensionen wie in Marsberg haben werde.
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Der Gefährdungsaspekt war in dem Gespräch ebenfalls Thema. Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass nach allen Erfahrungen der bestehenden Forensik-Kliniken keine Bedrohung für die umliegende Bevölkerung besteht. "Wenn aus dem Therapiezentrum mal jemand entwichen ist, dann hat er meistens sofort das Weite gesucht", schilderte Bürgermeister Schandella die wenigen Erfahrungen aus Marsberg auf diesem Gebiet.
Ein harmonisches Miteinander bedarf der regelmäßigen Pflege. Auch das war eine Erkenntnis, die von den Planungs- Beiratsmitgliedern mit nach Hause genommen wurde. Für Isolde Jaspert bedeutet dies, ständig Aufklärung zu leisten.
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Immer wieder besucht sie beispielsweise die Schulen und Kirchengemeinden der näheren und weiteren Umgebung, um über den Forensik-Alltag zu berichten. Die Beirats-Vorsitzende arbeitet außerdem seit vielen Jahren kreativ mit Forensik-Patienten. Ob gestalterisch oder in Form von Tanz und Musik - sie versucht alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Ihre Erfahrung: "In den Menschen steckt zum Teil ein beeindruckendes Potenzial." Und weil das so ist, geht sie immer wieder mit den Resultaten nach draußen, nimmt dabei Patienten mit, "die es geschafft haben", wie sie sagt. Zahlreiche Ausstellungen und Aktionen hat sie schon organisiert. Kürzlich machte sie im Düsseldorfer Landtag Station. "Können Sie mir mal einen Forensik-Patienten zeigen?", wurde sie dort von einem Politiker hinter vorgehaltener Hand gefragt. Als Isolde Jaspert daraufhin gleich auf eine ganze Reihe von Mitgliedern der Marsberger Delegation deutete, bekam sie den erstaunten Satz zu hören: "Die sehen ja aus wie wir!"
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Die Duisburger nahmen das Engagement der Beirats- Vorsitzenden mit großem Interesse zur Kenntnis. Über die "Erlebnisschiene" Einblicke gewähren und Aufklärung leisten - das könnte auch für die geplante Klinik daheim ein Weg sein, so eine erste Idee nach dem Gespräch.
Volker Pieper
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