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Das NTZ-Leitungsteam im FAKT-Interview
„Wir sind in jeder Hinsicht sehr gut vorbereitet!“
Der Count-Down läuft: Mit Beginn des neuen Jahres wird das neue Niederrhein Therapiezentrum Duisburg mit seiner Arbeit beginnen. Seit Wochen schon bereitet sich das NTZ-Personal intensiv auf den bevorstehenden Klinikalltag vor. Im FAKT-Interview nehmen der ärztliche Geschäftsführer, Dr. Bernhard Wittmann, die kaufmännische Geschäfts- führerin, Andrea Piccenini, und die Leiterin des Pflege- und Pädagogischen Dienstes, Lettie Theunissen-Schuiten, zu aktuellen Fragen Stellung. Im Januar 2010 geht der Betrieb im NTZ los. Wie weit sind die Vorbereitungen?
Piccenini: Die Vorbereitungen laufen planmäßig und sind jetzt in der Schlussphase angekommen. Die Ausstattung der Klinik mit Möbeln und sonstigem Inventar stand zuletzt auf dem Programm. Das ist nun auch weitestgehend abgeschlossen. Dinge wie die Lebensmittelzulieferung und die Wäscheversorgung mussten auch noch geregelt werden. Wir sind zuversichtlich, dass bis zu den „Nachbarschaftstagen“ am 12. und 13. Dezember die letzten Punkte abgehakt werden können, damit die Besucher dann einen möglichst realistischen Eindruck bekommen. Die Atmosphäre der Einrichtung hat ja einen wesentlichen Einfluss auf das Gelingen der Therapie. Das kann man dann an beiden Tagen sicher gut nachvollziehen.
Mit wie vielen Patienten wird das NTZ anfangen, und wie lange wird es bis zur vollen Belegung dauern?
Dr. Wittmann: In der ersten Januarwoche werden etwa 85 Patienten aus Bedburg-Hau zu uns kommen. Bis Ende Januar dürfte dann auch der Aufnahmebereich angesichts der jetzt schon bestehenden langen Warteliste voll sein. Etwas länger wird es mit der Entlassvorbereitungsstation dauern, weil wir die entsprechenden Patienten hier auch erst noch näher kennen lernen müssen.
Ist das Personal schon komplett? Wie gestalten sich die Vorbereitungen für die Mitarbeiter?
Piccenini: Das Personal wird in den unterschiedlichen Berufsgruppen stetig aufgebaut. Bis zum Eintreffen der Patienten werden die Stellen fast vollständig besetzt sein. Alle wichtigen Abläufe werden geprobt, auch direkt mit den zuständigen Einrichtungen der Feuerwehr und der Polizei.
Wie ist das Personal zusammengesetzt, welche Tätigkeiten gibt es im Einzelnen?
Piccenini: Das Personal setzt sich aus unterschiedlichen Berufsgruppen zusammen: Pflegekräfte und pädagogische Kräfte gehören dazu, Ärzte, Psychologen und Sozialarbeiter. Außerdem werden die Bereiche Technik, Hauswirtschaft, Werkstatt und Ergotherapie durch spezielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgedeckt. Sport- und Bewegungstherapeuten haben wir ebenfalls eingestellt. Bei der Auswahl legen wir natürlich Wert auf Erfahrungen im Bereich Psychiatrie und Forensik. Viele der neuen Kolleginnen und Kollegen sind auch mit der Sucht- und Drogenproblematik vertraut – das ist bei uns ja auch von elementarer Bedeutung.
War es schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden?
Piccenini: Probleme, geeignetes Personal zu finden, hatten wir eigentlich nicht. Dadurch, dass unsere Einrichtung neu in Betrieb genommen wird, war und ist das Interesse an einer Mitarbeit sehr groß. Man hat hier das Gefühl, etwas mitbestimmen und mit gestalten zu können. Das scheint ein wesentlicher Aspekt zu sein.
Sicherheit ist ein zentraler Punkt im NTZ. Wie wird sie gewährleistet? Ist der Sicherheitsstandard höher als anderswo, weil man bei einem Neubau ja von vornherein besser planen kann?
Dr. Wittmann: Der bauliche Sicherheitsstandard ist zweifellos auf höchstem Niveau. Aber Sicherheit stützt sich immer auf mehrere Pfeiler. Ein zentraler ist dabei die konsequente Therapie und die Mitarbeit der Patienten. Auf beide Aspekte werden wir uns in besonderer Weise konzentrieren. Glücklicherweise verfügen wir über ein in der Forensik ausgesprochen erfahrenes therapeutisches Leitungsteam. Die Sicherheit der Beschäftigten ist da in ebenso guten Händen wie die der Anwohnerinnen und Anwohner und sonstigen Bürgerinnen und Bürger.
Auf einen hohen Sicherheitsstandard wurde bei der Ausstattung der Gebäude und der Einzäunung des Geländes sehr großer Wert gelegt. Der transparente Zaun (Bild oben) kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es sich um ein kameraüberwachtes Gelände handelt (Bild unten).
Theunissen: Für die Sicherheit sind natürlich alle Mitarbeiter mitverantwortlich, wenn ich das noch ergänzen darf. Sicherheit entsteht durch Kommunikation. Man redet über alles, was auffällt. Und man muss die Techniken und Abläufe beherrschen. Aber das war ja wichtiger Teil der Vorbereitungen.
Wie muss man sich die Therapie vorstellen? Was geschieht mit den Patienten?
Dr. Wittmann: In erster Linie geht es in der Therapie um die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln. Eine hoch belastete Lebensgeschichte oder höchst schwierige Lebensumstände können Fehlverhalten in gewisser Weise erklären, aber unter keinen Umständen entschuldigen. Die Patienten müssen lernen, dass sie auch unter misslichen Umständen nicht zu Straftaten greifen müssen, dass es immer eine legale Wahl gibt. Das dauert mitunter lange, im Durchschnitt sicherlich zwei bis drei Jahre.
Nach dem NTZ geht es im Normalfall wieder nach draußen. Wie werden die Patienten auf die „Wirklichkeit“ vorbereitet?
Theunissen: Die Behandlung im Maßregelvollzug soll den Patienten dazu befähigen, ein Leben ohne Drogen und Straftaten in der Gesellschaft zu führen, also die Wiedereingliederung. Deshalb sind Lockerungen ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Sie richten sich nach den erreichten Therapiefortschritten und der Minderung der von den Patienten ausgehenden Gefährlichkeit. Jeglicher Aufenthalt der Patienten außerhalb der Klinik bedarf der besonderen Genehmigung.
Nach dem Maßregelvollzugsgesetz sind die Einrichtungen verpflichtet, Lockerungen zu gewähren, sobald und soweit der Zustand des Patienten es zulässt. Lockerungen sind kein Freizeitvergnügen, sondern mit jedem Ausgang und jeder Beurlaubung sind Ziele verbunden, die mit dem Patienten verbindlich vereinbart werden. Auch Zeiten, Aufenthaltsorte und Wege werden strikt vereinbart. Der Entscheidung für oder gegen eine Lockerung geht ein festgelegter Entscheidungsprozess voraus. Wenn die Genehmigung erteilt wurde, wird ein Patient immer mit begleiteten Ausgängen beginnen. Diese Ausgänge werden durch die Mitarbeiter des Pflege- und Pädagogischen Dienstes und des Sozialdienstes vorbereitet und begleitet. Diese Beschäftigten werden bei Auffälligkeiten Ausgänge unmittelbar abbrechen oder ganz untersagen.
Lockerungsmaßnahmen können mit Auflagen und Weisungen verbunden werden. Verstöße gegen solche Weisungen berechtigen dazu, die Lockerungen aufzugeben bzw. die Patienten in die Klinik zurückzuführen oder die Festnahme zu veranlassen. Nach mehreren erfolgreichen begleiteten Ausgängen werden unbegleitete Ausgänge genehmigt, wobei auch hier die Zielsetzung und Kontrolle sehr wichtig sind.
Sie sehen: Beim Weg zurück in die Gesellschaft müssen die Patienten viele Hürden überwinden. So ohne Weiteres funktioniert das nicht.
Der Aufwand, der in einer Einrichtung wie dem NTZ betrieben wird, ist enorm. Welche Erfahrungen gibt es bezüglich der Therapieerfolge?
Dr. Wittmann: Aus dem westfälischen Landesteil wurde kürzlich eine große Untersuchung über entlassene Patienten vorgestellt. Danach begehen etwa 60 Prozent der Patienten in einem Zeitraum von drei Jahren nach Entlassung überhaupt keine Straftaten mehr. Und die Straftaten der Rückfälligen sind deutlich weniger schwerwiegend als vorher. Und die Erfahrungen zeigen, dass durch eine konsequente Nachbetreuung nach der Entlassung diese Raten noch deutlich gesenkt werden können.
Piccenini: Wir haben deshalb schon in der Planungsphase intensive Kontakte zu Nachsorgeeinrichtungen aufgebaut. Ein entsprechendes Nachsorgekonzept ist Teil des Klinikkonzeptes. Wir sind also in jeder Hinsicht sehr gut vorbereitet!
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